Wer keine Visionen hat, sollte vielleicht auch zum Arzt gehen…


Die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ hat ihrem liebsten Bürgerkriegsprediger wieder viel Raum eingeräumt. In der Ausgabe vom 20. Juni lesen wir von ihm „Nein, ich habe keine Visionen“.
Nun, nun zumindest Kenntnisse hat er keine. Wir lesen z. B.:

„Eine islamische Moderne Moderne konnte nicht entstehen, weil schon im zehnten Jahrhundert – also mit der Durchsetzung der islamischen Theologie – „das Tor der Auslegung“ des Korans weitgehend geschlossen wurde. Noch im neunten Jahrhundert diskutierten die theologischen Vertreter der Mu’taziliten – die von der griechischen Philosophie beeinflusst waren – die Willensfreiheit und die Verantwortlichkeit des Menschen. Danach kapselte sich der Islam von der übrigen Welt theologisch und intellektuell bis heute ab.“

Lassen wir einmal den üblichen Denkfehler beiseite, dass ein völlig ahistorischer Islam angenommen wird. Ein Denkfehler, den antimuslimische Kreise ja mit manchen muslimischen teilen. Lassen wir auch einmal beiseite, dass eine Geschichtsteleologie, die von Augustinus zur Aufklärung und darüber hinaus eine gewissermaßen Zielgerichtetheit der Geschichte Europas (war Augustin nicht auch Nordafrikaner..) postuliert, doch arg nach 19. Jahrhundert mieft. Wäre ich bösartig, würde ich sagen nach „deus vult/deus lo vult“… Worum geht es also?
Die Durchsetzung der i. (die Abkürzung dient dazu, die Verwechselung mit der historischen Realität zu vermeiden) Theologie habe zu besagter Abkapselung geführt. Wie kommt es dann, dass Vertreter der i. Theologie wie die Mu’taziliten anscheinend die Guten sind? Ach ja, sie sind ja von der griechischen Philosophie beeinflusst! Aber i. Theologen sind sie nun trotzdem? Und wenn es nun an der Rezeption der griechischen (eigentlich müssten wir die mit großen „G“ schreiben, da es nicht um die reale, hellenistisch verarbeitete Form; gemeint ist natürlich die G. Philosophie als politische Waffe) Philosophie liegt, dann sind also Rezipienten selbiger gut? Also auch z. B. Abu Hamid al-Ghazali???
Dass unser Autor nichts über die zwangsweise Durchsetzung der Thesen der Mu’tazila durch Folter, Inhaftierung etc. erwähnt… Ach, was soll’s!
Ich darf schon gar nicht daran denken, ob der Verfasser etwas von den internen Differenzierungen der Mu’tazila weiß? Nein, das dürfte das Vorurteil überlastet. Hat er wenigstens in Wikipedia nachgeschaut, dass die Mu’tazila „ihre Blütezeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert erlebte“? Wohl eher auch nicht, ist nicht Teil seines geistigen Universums, zu viel an „vorsichtig abwägen“.
Ob der Autor ahnt, dass “ ‚das Tor des Auslegung‘ des Korans“, das er seit dem 10. Jahrhundert geschlossen meint, in Wirklichkeit den „bab al-ijtihad“ meint und nicht „bab at-tafsir“ und außerdem sich auf das islamische Recht bezieht und nicht auf die Koranauslegung? Wohl eher nicht. Wissen stört ja die Vorurteilsproduktion. Dann braucht es auch gar nicht zu interessieren, dass das die Forschung seit Jahrzehnten weiß, dass die einfache Formel der „Schließung des Tores des ijtihad“ der historischen Realität nicht entspricht. Ach Kenntnis, Wissen ist wohl kaum Teil der europäischen Tradition, wenn wir unserem Autoren folgen.
Dass auch die Abkapselung gegenüber Europa nicht der Fall war und gegenüber dem überwiegenden Rest der Welt schon gar nicht, ist wiederum zu viel an historischer Realität. Das macht einem ja die schönste Feindbildkonstruktion für den europäischen Bürgerkrieg kaputt!
Grotesk wird es wirklich, da gebe ich dem Autoren recht, wenn er sich dem wohlfeilen Vergleich der jetzigen schrecklichen Entwicklung in der arabischen Welt (nicht in Europa; der Unterschied interessiert ihn aber nicht) mit dem Dreißigjährigen Krieg in Europa anschließt. Die Menschen außerhalb Europas schaffen es ganz gut, sich gegenseitig umzubringen, ohne die Geschichte Europas zu reinszenieren. Das ist wirklich etwas viel Eurozentrismus…
Ein letztes Schmankerl noch: Die Gründe für die jetzige Lage der arabischen Welt – für den Autor natürlich die „islamische“, den Unterschied begreift er nie – müssen, so wird dekretiert, „in der Religion und der Zivilisation der islamischen Gesellschaften selber gesucht werden“. Wie schön, dass der „Presse“-Autor z.B. mit al-Maududi einer Meinung ist! Einige Zeilen weiter erfahren wir aber: „Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen und Osten und in Nordafrika dokumentieren den Zerfall einer nach dem Ersten Weltkrieg künstlich geschaffenen politischen Ordnung.“
Also: Wenn die Gründe für die jetzige Lage in der arabischen Region in der „Religion und der Zivilisation der islamischen Gesellschaften selber“ liegen und gleichzeitig auf die „künstlich geschaffene politische Ordnung“ zurückzuführen sind, wer war das noch gerade, der die Ordnung geschaffen hat? Es müssen ja dann eigentlich Muslime gewesen sein. Also waren die Regierungen Großbritanniens, Frankreich und Italiens (das ja in Libyen eine eigene Ordnung der Friedhofsruhe geschaffen hatte) von Kryptomuslimen unterwandert, die durch religiösen Zwang getrieben wurden… Ich liebe Verschwörungstheorien!
Die restlichen Perlen der Weisheit dieses Autoren solte man nicht weiter beachten. Irgendwann reicht es. Und soweit nennt sich Qualitätszeitung…

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Jihad und Medien in „Die Presse“ 21. März


Manchmal sind alle Anstrengungen umsonst. Bei dem Versuch, die Bedeutung des Begriffes Dschihad/Jihad für einen Zeitungsartikel zu erklären, bin ich schmählich gescheitert. Dass für viele ältere islamische Rechtsgelehrte militärischer Dschihad als Defensvkrieg definiert war, ist herausgekommen, dass ich es als solchen definiert hätte. Was natürlich heißen würde, die autoritativei Position eines islamischen Rechtsgelehrten einzunehmen,  was mir genauso natürlich sehr fern liegt.

Da wundern die Medien sich, dass Wissenschaftler nicht so gerne Interviews geben, weil sie fürchten, was dabei herauskommt…

Tauwetter?


Ich habe diese Zeitung länger nicht aufgeschlagen. Manche Fehler macht man aber immer wieder:

Es ist zwar Tauwetter, manches bleibt aber im Permafrost gefangen. Zu diesem Dauerfrost gehören das Publizieren hochideologischer Artikel zum Thema Islam in der österreichischen Zeitung „Die Presse“. Am 3. 1. 2015 war wieder einmal kein Anzeigenplatz vekauft worden, so dass ein Artikel die Leere füllen musste.

Ein Sozialwissenschaftler und der Vorsitzende der Frei(!)denker Österreichs dekretieren autoritär die Schaffung eines liberalen Islam oder auch die Reform des Islam. Wer eine Erleuchtung hat, auf welche Weise Liberalität oktroyiert werden, freies Denken Menschen auferlegt werden kann, mag sich glücklich schätzen. Es erscheint aber eher als ein schwer auflösbares Paradoxon.

Worum geht es denn im Detail? Zuerst wird mit dem 30jährigen (Religions-)Krieg gedroht. Dass die Herren von der neueren Debatte in den historischen Wissenschaften um die Religion in diesem Krieg gehört haben, ist in einer „Qualitätszeitung“ wohl nicht verwunderlich. Wenn es um den Islam geht, muss ja nicht so viel wissen.

Also: Wir wissen ja, ‚der Islam‘ (sprich: die Muslime und Musliminnen in Europa) droht den „liberal-demokratischen Gesellschaften“ mit dem Krieg.

Die einzige Möglichkeit, dem zu entgehen, ist die Reform des Islams, Mindestbedingung: „zumindest eine radikale Reform der Scharia respektive deren Abschaffung“. Da die beiden Autoren offenkundig von Scharia in der historischen konkreten Gestalt keinerlei Ahnung haben, liegt die Vermutung nahe, dass sie ein höchst fundamentalistisches Verständnis von „Scharia“ haben. Es ist merkwürdig, dass das Islam-/Schariaverständnis der so fundamentalismuskritischen Islamkritiker – um einmal den gängige schönfärberischen Begriff zu nehmen – sich so ähnlich ist. Ah! Die Autoren haben es geahnt, dass solch ein Einwand kommt. Sie schreiben, es würden „alle Islamkritiker in eine islamophobe Ecke gestellt“. Die armen verfolgten „Kritiker“, die ja in einer klandestinen Tageszeitung wie der „Presse“ verschämt nur im hintersten Eck publizieren dürfen… Wir danken für dieses neujährliche Musterbeispiel der verfolgenden Unschuld. Ein kleine Draufgabe ist, dass die „gegenwärtige politische Diskussion um die Friedfertigkeit des Islams“ von den mündigen Bürgern ihrer Art durchschaut wird. Also ist auch die politische Meinung gegen unsere „Kritiker“, nicht zu vergessen vermutlich auch die in Deutschland zur Zeit öfters beschimpfte „Lügenpresse“. Es geht – nebenbei – also nicht nur um den „orthodoxen Islam“ – was immer das sein mag – der Islam insgesamt ist gemeint.

Dass sie vielleicht einfach keine Ahnung über islamische Dinge haben, kommt den Herren nicht in den Sinn. Dass „freiheitsliebende Muslime“, von denen es viel mehr gibt (übrigens auch Musliminnen) als den Herren bekannt ist, von solchen Freunden besser die Finger lassen werden, ist für sie auch unvorstellbar. Letztlich geht es den Herren nicht um den Islam, eher wollen sie ihre Vorurteile äußerln führen. Dass sich „Die Presse“ immer wieder dazu hergibt, muss sie wohl mit ihrem journalistischen Gewissen abmachen.

Eine kleines Zusatzbeispiel für Ahnungslosigkeit: Dass KAICIID – was immer man auch darüber denken mag – ist keine „Missionsstation“. Dann müsste man sich ja damit beschäftigten, denken – vielleicht nicht frei, aber sachorientiert – und das ist anstrengend… Besser eingefroren bleiben im Eis der Ahnungslosigkeit.

Ach ja, dem Leitartikel im „Spiegel“ vom 20.12.2014 können wir entnehmen, dass das Neue von anderen innerstaatlichen Kriegserklärern wie den Pegida-Demonstrationen ist, dieses ist: „Landläufig als ’normal‘ gelten Bürger finden nichts Abstoßendes daran, sich mit […] zweifelhaften Gestalten zu mischen.“ In der selben Zeitschrift finden auf S.37 in einem Essay folgende Worte: „Das Paradoxon des Glaubens besteht darin, das s in ihm offenbar beides wurzelt. Einerseits kann er dem Individuum enorme Kraft und wahrhaftig frohe Botschaft sein; ein Wunder, weil er den Menschen aus der Unwissenheit führen kann, die in der Gewissheit seines Todes liegt. […] Andererseits: Was individuell rettend ist, kann kollektiv das Mörderische gebären.“ Auf dem Niveau lässt sich über Religion und Glauben ernsthaft reden. Das der „Presse“ liegt gerade beim Thema Islam weit darunter.

P.S.: Ob Hobbes diesen Missbrauch verdient hat, mag man bezweifeln.

Es holt mich doch immer ein…


Manchmal kommen Gedanken aus einer unerwarteten Ecke. Ein Magazin, das verspricht „Das Beste am Wochenende“ zu liefern. Eben dieses Magazin hatte jetzt einen Artikel mit der schönen Überschrift „Nichts im Kopf?“. In einem dort zitierten Interview sagt ein interviewter Autor:

„Man lässt über alles ein Stichwort fallen, man imponiert durch Schlagworte, und man hat Angst davor, ein Problem zu durchdringen. Schnelle Antworten übertünchen oft das eigentliche Problem“.

Nun wird durch politische Eilmaßnahmen und Generierung von Stichworten im Zusammenhang mit dem Phänomen „Islamischer Staat“ sehr viel übertüncht und die Angst beruhigt, zu den eigentlichen Problemen durchzudringen. Als probates Mittelchen gegen solche Ängste können aber auch Vorurteile dienen. Und deren werden etliche über den Laufsteg geführt.
Thomas Kramar, seines Zeichens bei der Tageszeitung „Die Presse“ tätig, führt das erste Vorurteil vor (15.9.2014): 1) Der Westen habe natürlich keine „Mitschuld an den IS-Gräueln bei sich zu suchen“. Details wie die völlig desaströse Irak-Politik (und falls es der Herr Kramar nicht weiß, der Vorläufer des IS ist als Folge dieser Politik entstanden), gefolgt von der desaströsen Syrien-Politik der USA und der EU (natürlich waren andere Mächte auch beteiligt; aber es geht hierum Herrn Kramar), die wohlwollende Patronage ‚des Westens‘ für Diktatoren und Alleinherrscher, Eliten aller Arten im Südwesten Asiens und in Nordafrika, wie das kleine Detail, dass ‚der Westen‘ anno Peschawar arabische Freiwillige durchaus unterstützt hat (dumm nur, dass daraus auch al-Qa’ida entstand, bei der auch ein Abu Mus’ab az-Zarqawi köpfen lernte, Chef der Vorläuferorganisation des IS; es kann einem schon etwas entgehen im Redaktionsalltag…), davon schweigen wollen wir auch nicht, dass die Konstruktion von Staaten nach dem 1. Weltkrieg, um die europäischen Einflusssphären zu sichern, auch nicht ganz unschuldig ist an der Misere.
Aber es ginge dann ja um das Durchdringen zu den Problemen. Wollen wir nicht. Herr Kramar scheint – wie viele – zu verwechseln, dass die Suche nach Ursachen nicht bedeutet, jemanden zu entschuldigen. Also kommen wir zu: 2) Es werden einmal wieder Distanzierungen von Muslimen bzw. Moslems (Musliminnen haben es wirklich leichter, scheint mir) eingefordert – diesmal eben von IS. Es ist wirklich merkwürdig, Leute, die durchaus in der Lage sein sollten, eine Suchmaschine zu bedienen, sind wirklich nicht in der Lage, vor dem Verfassen eines Kommentars solches zu tun. Stichworte fallen zu lassen, ist halt einfacher. Ein kleiner Tipp für den arg beschäftigten Herrn: Es gibt in Österreich eben solche Erklärungen und viele andere – ich bin heute generös und würde ihm diese übermitteln. Kommen wir zu 3) und damit zu den Schlagworten. Wir sind ja liberal, so lassen wir eine andere Person sprechen:

„Eine objektive Lektüre des Koran hinterlasse „den Eindruck, dass der Frieden des Islam ein Frieden der Unterwerfung ist“, schrieb der niederländische Schriftsteller Leon de Winter unlängst, der Islam wolle „die Welt entsprechend den Werten eines Warlords aus dem siebten Jahrhundert neu ordnen“. Eine extreme Aussage. Aber sie muss möglich sein, darf nicht als Verhetzung abqualifiziert werden.“

Abgesehen davon, dass ein Schriftsteller zitierenswert ist der allen Ernstes eine ‚objektive Lektüre‘ – in diesem Falles des Korans – schreibt, wohl kaum um das Handelsgewicht von Worten weiß. Wenn er darum weiß, ist seine Aussage nicht extrem, sie ist perfide. Er behauptet objektiv zu sein, um dann einen Warlord einzuführen, ein durch und durch moderner Begriff, der, wenn er bewusst gewählt wurde, durchaus hetzerisch wirkt. Aber der zitierende Journalist hat es ja nicht selber gesagt… Und zur Wiederholung, ein winzig kleines Stückchen der Auslegungstradition und der modernen Koranauslegung widerlegt die Forderung des Herrn Journalisten sofort. Aber dann müsste man ja etwas wissen, mit Worten zuschlagen ist besser…
Dass 4) der Herr Journalist den Unterschied zwischen dem Status des Korans im Islam und der Bibel im Christentum nicht kennt, verwundert nicht mehr. Und dass auch hier ein Schlagwort herausgewühlt wird, um nicht nachzudenken, desgleichen: diesmal ist es die „historisch-kritische Methode“. Ach, ich mag nicht mehr…
Leider mögen andere noch. Herr Christian Ortner, der ein Blog betreibt mit dem Titel „Das Zentralorgan des Neoliberalismus“ (Aufgepasst! Wir sind lustig!), fühlt sich auch getroffen und für schuldig befunden. Das hat leider einen Kommentar erzeugt (18.9.2014).
Er schmeißt einige Zitate zur Frage nach den Ursachen des europäischen Dschihadismusphänomens munter zusammen und verkehrt die Suche nach Erklärungen in eine Suche nach Schuld, die simple Frage nach den Gründen, aus denen aus unseren Gesellschaften, auch aus der des Herrn Ortner, Menschen hervorgehen, die Gräueltaten wie die des IS (und auch andere) gut finden und begehen, wird von ihm in die Frage nach Schuldzuweisung verdreht. Dann streuen wir noch allerlei flapsige Bemerkungen drüber, beschwören den Islam als „Kriegsreligion“ herauf – Elias Canetti hat im lesenswerten „Masse und Macht“ halt auch zweifelhafte Dinge geschrieben – und ab geht die Post. Wo geht sie hin? Zu Leon de Winter: Der wird mit damit zitiert, es sei der „Islamismus der Faschismus des 21. Jahrhundert“. Und diesem ‚Faschismus‘ werde man nicht mit friedlichen Mitteln (ich paraphrasiere etwas) in den Griff bekommen.
Denn der Islam lässt die „destruktiven Neigung des Menschen“ zu beherrschen, so Herr Ortner, der wieder einmal Islamismus und Islam in einen Topf schmeißt. Also, wenn der Islam so kriegerisch ist etc. und Muslime (und Musliminnen) daran glauben,was soll man dann mit ihnen machen?! Darüber schweigt Herr Ortner.
Worum es auch geht, sagt uns das zenrale Organ des Neoliberalismus, wenn er schreibt, dass die Mordbrenner des IS darum töten, „weil sie es können, weil sie es wollen und weil es ihnen Lust bereitet“. Das dschihadistische Individuum entscheidet sich so zu handeln, weil es so will, die neoliberale Monade, also sind alle anderen entschulden. Nur bei MuslimInnen wird die Individualität dann doch wieder aufgehoben – durch den Islam. Ach, die Logik des zentralen Organs deutet eher auf eine Organstörung namens Vorurteil, Symptom: vehemente Schalgwortitis.
Das Binnen-I bringt mich zum dritten dieser illustren Reihung.
Konrad Paul Liessmann, vielfältig schreibender Philosoph, fühlte sich auch berufen über Schuld zu schreiben (20.9.2014). Natürlich auf höherem Niveau als manche zentralen Organe. Auch ihm geht es darum zu räsonnieren, warum der Mensch Verantwortung für seine (und ihre) Taten zu übernehmen habe. Auch er macht sich weidlich lustig über den Versuch, Erklärungen für das Phänomen IS und dessen AnhängerInnen in Europa zu finden, für dessen Ursachen. Auch für ihn geht es darum, den einzelnen Individuen an seine Schuld zu erinnern. Wir erleben auch hier – auf anderem Niveau als zuvor – die Konstruktion einer Monade, die unabhängig sozialer Kontexte agiert.
Also lassen wir, so die Summe aus den unerquicklichen Lektüren, das Suchen nach Ursachen, die das Problem hervorgebracht haben. Wir kümmern uns nicht darum, dass die Gefahr eingedämmt wird. Wir haben die Schuldigen, sie gehören bestraft. Damit sind wird aus der Verantwortung entlassen. Oh, ist das Geschreibe vielleicht nur eine Projektion, der eigenen Schuld (oder des Schuldgefühls)…
Nebenbei bin ich durchaus der Meinung, dass die Taten der Mitglieder des IS bestraft werden müssen. Nur bin ich auch der Meinung, dass die Ursachen beseitigt werden müssen. So einfach sollten wir es uns nicht machen.

Samstags…


Der Samstag ist so ein Tag, an dem sich einige Zeitungen zur Lektüre ausgehen. Leider auch „Die Presse“. Sie hat wieder eine ihrer Im-Islam-Auskenner von der Leine gelassen, mit einem Buchtitel könnten wir auch sagen: „Panikmacher“. Das Ergebnis entspricht dem Wetter: Es ist rübe.
Es geht um den Artikel „Homo, Jud und Christ“ in der „Presse“ vom 3. Mai 2014. Der Verfasser , offiziell Sozialwissenschaftler, hat eine Studie in die Finger bekommen – mit arger Verspätung. Nun sollte man erwarten, dass er sich auch methodisch mit diesen Studien auseinandersetzt… Aber dann müsste er sich ja mit der Kritik an dieser Studie (und einer anderen zitierten) beschäftigen. Und das stört das kommode Vorurteil.
Da es hier eher um Vorurteile als um – in welcher Weise auch immer – abgewogene Urteil, kann man sich die Analyse der Wiedergabe der Studienergebnisse sparen. Was wichtiger ist, ist die selbstgestrickte Theologie. Wir können es uns denken, worum es geht: Um den „Djihhad“; stammt nicht von mir, ein weiser Setzer hat das hier durchgenudelte Fantasieprodukt wohl vom real existierenden Konzept des Djihad unterscheiden wollen. Leider war der sEtzer nicht konsequent, sonst hätten wir einen hübschen neuen Begriff.
Es sind die üblichen Fantasien an dieses Wort geknüpft, “ die „friedliche“ – der Autor will auch denjenigen, die vergeblich versuchen, ihm das reale Konzept deS Djihad zu erklären, das Wasser abgraben – oder „gewaltsamen“ Eroberung der Welt. Einige Verwaschenheiten prägen den Text – Ist das Niveau einer Qualitätszeitung? -, der versucht Verbindungen zu schaffen, die der eigenen Fantasieproduktion einen Sinn geben. So werden die „europäischen Totalitarismen“ herangezogen, die „fundamentalistisch“ werden, um dann eine „Symbiose von Totalitarismus und Islam“ zu schaffen. Frohes Schaffen! So lässt sich – höchst unelegant – eine Verquickung einer Religion mit politischen Bewegungen (die der Autor mit einer vorherigen Obsession als politische Religionen versteht) schaffen. Kurzum: Der ‚Islamofaschismus‘ geht um, der auch gescheiterten Immobilienkäufern oder Ex-US-Präsidenten so lieb ist.
Eines würde ich gerne einmal erklärt bekommen: Wenn ein Zug der europäischen Moderne die in Krisen entstehenden „Totalitarismen“ sind, warum ist die ‚Modernisierung des Islam‘ so dringend notwendig?
Der Sozialwissenschaftler kehrt nebenbei den islamischen Gelehrten heraus. Wir erfahren, dass die „Dämonisierung anderer Religionen […] ein integraler Bestandteil des Islam, die sich im Koran und in der gesamten religiösen Tradition findet“, ist. Der Verfasser beherrscht also ‚die gesamte religiöse Tradition‘ des Islams! Vor soviel Genialität kann man nur das Knie beugen.
Widerlegt wird, so der Autor der „Presse“, die Mär vom friedlichen Islam etc. Sehen wir einmal davon ab, dass etwas als „Mär“ zu bezeichnen, schon heißt, es als falsch zu erkennen – und damit bedarf es keiner Entlarvung mehr. Ach, die deutsche Sprache ist ein Hund… Ach ja, die „Islamisierung der europischen Gesellschaften“ wird auch noch aus der Mottenkiste des Vorurteils hervor gekramt.
Jedenfalls dekretiert der Islamgelehrte der „Presse“: „Der Djihad ist für jeden orthodoxen Muslim verbindlich und damit ein integraler Bestandteil des Islam.“ Abgesehen davon, dass der Autor eine Definition von Orthodoxie schuldig bleibt, bleibt er den Lesenden auch die Logik schuldig. Was auch immer ein „orthoxer Muslim“ sein mag – wohl die Inkarnation des Bösen -, wenn der Djihad (manchmal auch Dschihad, Dschihhad wäre wirklich besser), womit der gewaltsame Kampf gemeint ist (oder der friedliche (s.o.), aber beide wollen ja eh das Gleiche, nur einmal eben friedlich), „integraler Bestandteil des Islam“ ist, haben auch nicht so ‚orthodoxe‘ Muslime (und Musliminnen? – oder gilt hier keine Gleichberechtigung? – oder der Autor gehört auch zu denen, die keine präzise Sprache wollen) keine Möglichkeit, diesem Djihad zu entgehen. Sie müssen ihn einfach führen, denn sonst geben sie ja einen „integralen Bestandteil“ ihrer Religion auf!
Worauf läuft die Übung im Vorurteil hinaus? Es wird wieder einmal Hans Magnus Enzensbergers Essay „Aussichten auf den Bürgerkrieg“ aufpoliert. Wenn wir in diesem Verweis einen Hinweis auf eine Projektion der eigenen Absichten sehen, dürften wir nicht ganz falsch liegen. Oder ist es nur eine Werbung für das eigene Buch, das dieser Projektion weiter Futter gibt? Ein Werbetext?
Wenn der so vom Islamgelehrten der Presse konstruierte „integrale Bestandteil des Islam“ vorhanden wäre, der dann für alle Muslime (Musliminnen dürfen sich mit gemeint fühlen) obligatorisch wäre, bliebe eigentlich nur was zu tun? Und „Die Presse“ soll nicht sagen, sie wisse nicht, was sie tut.
Und weil die Realität wieder ums Eck schaut: Warum liest man denn in „Qualitätszeitungen“ nicht jeden Tag, dass Muslime (Musliminnen dürfen sich mit gemeint fühlen) mindestens einen Nichtmuslim (Nichtmusliminnen dürfen sich mit gemeint fühlen) ermorden? Das wäre dann eigentlich zu erklären, wenn denn die Prämisse des Autors richtig konstruiert wäre! Mangelnder Glaubenseifer?
Ach ja: Das so etwas via Medienförderung von meinen Steuergeld mit bezahlt wird, empfinde ich schon als ziemliche Unverfrorenheit.
Ach ja 2: Warum ist der einzige aktuelle Proto-Bürgerkrieg in Europa (die Ukraine ist gemeint) einer, in dem immer wieder Kreuze zu sehen sind?
Ach ja 3: Vielleicht hat der Islamgelehrte der „Presse“ sein profundes Wissen aus den Schriften des von ihm zitierten ‚Islamexperten‘ (noch so ein Schimpfwort) Thomas Tartsch, Verfasser solch qualifizierter Werke wie „Muhammads Erbe: Dschihad, Dhimmi, Tötungs- und Bekämpfungsvers“ oder „Der Mensch ist ein Raubtier“. Ah, ersteres Werkl ist erschienen im Selbstverlag dieses Autors mit Namen „Gehenna“-Verlag. Die von ihm inspirierte Textproduktion des „Presse“-Gelehrten ist eine Strafe für meine Übeltaten. Habe ich wirklich so schlimme Dinge getan? Ich gehe in mich.

Verblüffung


Angesichts des schönen Wetters, hätte ich früher in den Garten gehen sollen. Das Zeitunglesen beim Frühstück war ein Fehler. Oder auch nicht. Ein sonst sehr kluger Autor, den ich immer mit Gewinn gelesen habe, hat „den Grundzug der eurasiatischen, dann euro-amerikanischen Kultur(en) entdeckt. In der „Presse“ vom 8. März schreibt er dies in einem Beitrag mit dem Titel „Der große Schritt“ (Spektrum, S.If.).
Nun ist das Auffinden eines Generalschlüssels für eine Kultur immer eine zweifelhafte Geschichte, da einer solcherart identifizierten Kultur immer ex post eines Teleologie unterstellt wird, die in diesem Fall vom griechischen phonetischen Vokalalphabet zum Bau eines Gewehrs führt. Im Galopp geht dbei so etwas verloren wie die Abfeuerung der ersten Kanone auf europäischem Boden durch Muslime und die Kunstfertigkeit von muslimischen Handwerkern im Armbrust- und Musketenbau. Es ist sicherlich nicht unbedingt notwendig darum einen Wettkampf durchzuführen. Und: Ist das Gewehr überhaupt so toll? Es gibt ja Hinweise auf den Verzicht auf Feuerwaffen in Japan, wo sie wesentlich weiter entwickelt waren als in Europa… Aber sei’s drum: War das nun der vokalische eurasiatische Einluss, der die iberischen Muslime dazu getrieben hat oder historische Kontingenz? Skurril wird es, wenn in der Geschichte der Kartographie zwischen Ptolemäus und Waldseemüller einfach viele Jahrhunderte muslimischer Kartographie verschwinden. Manchmal kann man Ahnungslosigkeit recht gut mit Lektüre bekämpfen – in diesem Falle der Arbeiten Fuat Sezgins Islamic Geography. Das mag als Anmerkung genügen. Wer denn eine adäquatere Perspektive wünscht, möge ich die Bände des Variantologie-Projektes anschauen.
Diese Perspektive ist sehr viel ertragreicher als die okzidentalistische Konstruktion des europäischen (Pardon: eurasiatischen) Vorrangs.

Ein Virus ist schon ärgerlich genug…


Zuerst erwischt man einen netten Virus, der einem das Wochenende verdirbt. Dann fängt man an, um die Zeit herum zu bringen, diverse Sachen zu lesen, auch Zeitungen – und leider auch Buchbesprechungen. Den Tiefpunkt erreicht die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ mit einer solchen in der Ausgabe vom 11.01.2014 mit dem Titel „Der Prophet in Brüssel“. Was lesen wir?
Eingangs wir der Verfall Europas wieder einmal beschworen. Einer der Gewährsmänner ist u. a. der Herr Sarrazin. Zur demographischen Krise wegen Überalterung komme „die absehbare Verschiebung der Zusammensetzung der Gesellschaft, die dazu führen kann, dass sich die einheimische Mehrheit bald als Minderheit unter Minderheiten wiederfindet.“ Abgesehen davon, dass die Zusammensetzung der Bevölkerung eher ändern soll… Aber lassen wir stilistische Fragen. Das „kann“ dieses Satzes wird dann mit einem Zitat zu einem sicheren „wird“. Zitiert wird Bernard Lewis, präsentiert als namhafter „Doyen der Islamwissenschaften“. Dass besagter Bertrand Lewis seit langer Zeit eher nur noch als akademischer Stichwortgeber einer Richtung der US-Außenpolitik ist, weiß vermutlich der werte Rezensent nicht. Oder will er nur einen weiteren Gewährsmann? Aber er hat ja in einem seiner Bücher die besprochene Autorin (s.u.) zitiert, muss er wohl hier hinein. Oder weiß der Rezensent auch davon nichts und braucht nur das kommode Zitat? Selbst Lewis hat sich übrigens einmal etwas distanziert von der besprochenen Autorin, aber auch darüber muss man etwas wissen. Und mit Wissen ist es so eine Sache, erfordert Reflexion usw….
Nach dieser kleinen Vorbereitung, kommt der Rezensent zu seiner Sache: „Da es sich beim Islam um eine wenig friedfertige und wenig tolerante Religion handelt, beschleicht die Angst vor einer Islamisierung immer mehr Bürger.“ Und dann kommt als besondere muslimische Heimtücke, dass „den Muslimen durch göttliche Offenbarung die wie immer geartete Missionierung der Welt aufgegeben ist“. Etwas holprig, aber der Gedanke ist klar: Die Europäerinnen produzieren nicht genug Kinder – also droht die muslimische Mehrheit – Islam ist gewalttätig – Muslime (die Musliminnen scheinen für den Herrn Rezensenten nicht existent) missionieren ‚wie auch immer‘ (die Gewalt ist nicht explizit genannt, wird aber den Lesenden mehr als nahe gelegt durch den voranstehenden Satz). Und es gibt Autoritäten, die das bestätigen!!! Sogar eine, die wirklich etwas „vom Islam“ versteht:
Nach der Errichtung der so grob gezimmerten Bühne, beginnt das Schauspiel. Vorhang auf für das besprochene Buch! Verfasst von Bat Ye’or, einer einstmals irgendwie als Historikerin tätigen Autorin, inzwischen aber Stichwortgeberin der antimuslimischen Szene. Warum der Rezensent es unterlässt, auf ihren recht bekannten tatsächlichen Namen hinzuweisen, ist recht unklar. Vermutlich klingt es besser: Wer ‚Tabus‘ bricht, muss ein Pseudonym benutzen… Ihre Werke gehörten, so der Rezensent, zu „den Standardwerken über den Islam“. Da der Rezensent keinerlei Kenntnis über fachliche Dinge hat, sei etwas über ihre Werke zitiert. Der auf dem Gebiet, auf dem sich die Autorin umtut, wirklich namhafte israelische Historiker Joel Beinin ist recht deutlich in der Klassifizierung der Produkte von Bat Ye’or als einen Revisionismus, der das eher positive Bild der Geschichte des Judentums in Ägypten bewusst umdrehen will. Also eine geschichtspolitische Intervention, weniger ein hostorisches Werk. Dazu müsste man über den Kontext etwas wissen… Michael Sells, tatsächlich ein namhafter Historiker der islamischen Geschichte (über die Kategorie „islamische“ Geschichte wäre auch etwas zu sagen, aber nicht an dieser Stelle), schrieb einmal treffend, Bat Ye’or konstruiere einen „unfairen Vergleich“ zwischen Europa und dem Islam, der einen wissenschaftlich abgewogenen Vergleich schlicht unmöglich mache. Um die Aufzählung abzuschließen, sei noch eine durchaus um Wohlwollen bemühte Rezension noch eines fachlich ausgewiesenen Kollegen zitiert. Dieser Schreibt in seiner Rezension zu Bat Ye’ors „The Decline of Eastern Christianity under Islam“ von der „theoretische Unzulänglichkeit der interpretativen Konzepte“ und den „Mangel an historischer Methodik in der Entfaltung der Dokumente, die als Beleg für die in der Studie gezogenen Schlüsse“ dienen. Sidney Griffith, dieser Rezensent, verweist auch darauf, dass er auf dem Buchrücken eines der Werke von Bat Ye’or sinnentstellend zitiert worden sei. Er habe auch in der dort zitierten Rezension den Mangel an historischer Methodik geschrieben.
Das ist also die Qualität der „historischen Belege“, von denen der „Presse“-Rezensent schwärmt. Kurzauftritt der „multikulturellen Ideologie“, die durch diese qualitätsvollen Belege gestört sei.
Und jetzt kommen wir zum Buch… Es handelt sich um „Europa und das kommende Kalifat“. Dass das erste Zitat, das der Rezensent bringt, eher zeigt, dass die Autorin der Kenntnis der Begriffsgeschichte des Dschihad wie auch der Stiftung im islamischen Kontext entbehrt, ist dem Rezensenten vermutlich nicht aufgefallen.
Gastauftritt Muslimbrüder. Die Autorin erwähnt – anscheinend – dann das islamische Zentrum in München, dessen Geschichte in den letzten Jahren einige Bücher hervorgebracht hat. An diesem Beispiel zeige die Autorin die europäische Politik gegenüber den „islamischen Ländern des Mittelmeers respektive des Nahen Ostens“. Dann macht wohl der Rezensent eine kleine Einschränkung. Er spricht nur noch von der Rolle der deutschen (Alt-)Nazis in der Zusammenarbeit mit dem genannten Zentrum. Damit wird die beliebte Konstruktion des ‚Islamofaschismus‘ etwas aufgewärmt. Dummerweise finden sich in dem vom Rezensenten (oder ist’s die Autorin, etwas unklar) angeführten Buch über das Münchener Zentrum etliche Passagen über die US-Politik. Aber da wäre die schöne binäre Weltsicht futsch: Das offizielle Deutschland pro-USA und pro-Israel, das inoffizielle antisemitisch und antiamerikanisch. „Antiamerikanisch“ an der Seite der USA hätte nicht so gut geklungen. Und der Fokus auf Europa hätte auch nicht so gut funktioniert.
Denn darum geht es eigentlich wohl. Neben der unzulänglichen Geschichtsschreibung zu nicht muslimischen Minderheiten in der muslimisch geprägten Welt ist ein anderer apokalyptischer Gaul, den die Autorin reitet, der mit Namen „Eurabia“, die fantasierte Arabisierung/Islamisierung Europas. Und wir erfahren wirklich erschütternde Dinge: Die EU hat Kontakte zur Organisation Islamischer Konferenzen, einer anderen supranationalen Organisation.
Diese betone „besonders den Kampf gegen die ‚Islamophobie‘, den die EU freudig unterstützt und durch vermehrte islamische Migration nach Europa nachhaltig bestärkt.“ Also die EU betreibt – „freudig“ – aktiv die Einwanderung von Muslimen (ich nehme an, Frauen sind auch diesmal nicht von Interesse) nach Europa, um den Kampf gegen die Islamophobie zu fördern? Weil dann ja dann die Zusammensetzung der Bevölkerung gekippt wird etc. pp. (s. o.)…… Wenn ich dies Konstrukt richtig dechiffriere. Und noch weiter: „Der wichtigste Beitrag der EU zu einer gemeinsamen Zivilisation ist seit Jahrzehnten die Durchsetzung des Multikulturalismus und der Diversität, um die europäischen Nationalstaaten zu schwächen respektive zu überwinden.“ Nicht nur Gurken und LED-Leuchten sind das Werk sinistrer Eurokraten. Ist es nicht schön, diese tiefschürfende Erkenntnis. Das Konstrukt wird von der Autorin, so der Rezensent, „akribisch belegt“. Die Akribie mag man sich angesichts der obigen Anmerkungen lieber nicht vorstellen.
Kurzum: Es geht um eine wüste Verschwörungstheorie und -theoretikerin, die vom Rezensenten der „Presse“ zu einer seriösen Autorin hochgelobt werden soll.
Interessant zu welch Desinteresse an Seriosität sich – nach Eigeneinschätzung – „Qualitätszeitungen“ versteigen, wenn es um islambezogene Themen geht. Dass jetzt „Die Presse“ krude Verschwörungstheorien abfeiern lässt, dürfte doch wirklich ein Tiefpunkt sein. Na ja, ich will nicht zu optimistisch sein.