Irgendetwas mit Islam?!


Es ist schon wieder passiert: „Der Standard“, eine selbsproklamierte Qualitätszeitung, nennt einen Professor für Religionspädagogik einen ‚Islamwissenschafter‘. Nun ist ein Islamwissenschafter kein Religionspädagoge und umgekehrt.

Langsam für JournalistInnen: Islamwissenschaft ist nicht etwas, das an Universitäten getrieben wird und sich irgendwie mit Islam beschäftigt. Islamwissenschaft ist keine islamische Theologie und keine islamische Religionspädagogik oder was auch immer. Islamwissenschaft ist eine eigenständige Disziplin, die methodischen Kriterien zu genügen hat, die nicht theologisch sind.

Aber es liest ja doch niemand aus der Qualitätsjournalisterei.

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Journalismuskritik


Die Qualitätszeitung „Der Standard“ hat mir am 12.11. ein neues Wort beschert. Dabei ist noch gar nicht Weihnachten oder so. Vielleicht gibt es dieses Wörtchen schon länger, und es ist nur an mir vorübergegangen. Das Wörtchen lautet „Flüchtlingskritik“. Nun haben die Medien uns schon länger gewöhnt, dass der ordinäre antimuslimische Rassismus zur „Islamkritik“ geadelt wird.

Aber „Flüchtlingskritik“!? Ist das die Kritik von Flüchtlingen? Nein, es ist die Kritik an Flüchtlingen.

Gemeint ist eine Geschichte, die etwas an eine Posse erinnert. In der Steiermark war die Verteilung von Äpfeln – für die, die es nicht wissen, die Steiermark ist für ihre Äpfel bekannt – an Flüchtlinge gestoppt. Warum? Lebensmittelpolizeilich wurde vermutet, dass die Verteilung von ungewaschenem Obst negative Folgen haben könnte. Als geklärt war, dass das unbedenklich war, wurde die Verteilung fortgesetzt.

In manchen Zeitungen und insbesondere in den in diesem Falle höchst (un-)sozialen Medien wurde sofort gemutmaßt, die Äpfel seien „nicht gut genug“ für Flüchtlinge, die Flüchtlinge hätten die Äpfel abgelehnt etc. pp. In den Postings erbrach sich dann wieder das Vorurteil in breiten Strömen.Etwa so als ob die kritische Theorie die Affirmation des Nazismus beinhaltet.

Dies als „Flüchtlingskritik“ zu betiteln, ist schon ein Auswuchs an sprachlicher Bewusstlosigkeit, der selbst in den Medien schon bemerkenswert ist.

Fantasien anderer Art (oder ähnlich?)


„Der Standard“, der sich auch als Qualitätszeitung bezeichnet, hat einen qualitätsvollen Kommentator auf die Bühne gebeten.

Ein heute bei der „Basler Zeitung“ tätiger Herr nimmt die Zerstörung Palmyras und die dort inszenierten Morde als Anlass über „den Islam“ zu fantasieren. Die erste Falschmeldung lautet „aus der übrigen islamischen Welt“ höre man keine Proteste. Es ermüdet etwas, aber trotzdem noch einmal: Weil man bei der Basler Zeitung nichts mitbekommt, heißt das nicht, dass etwas nicht existiert. Nachhilfeunterricht in Geschichte erspare ich mir dieses Mal.

Interessant wird es aber wenn der ehemalige Psychotherapeut und IKRK-Delegierte theologisiert. Also: Der Autor hat einen Satz gehört und den Wortlaut richtig behalten – den der schahada. Dann hat er auch gehört, dass die vormuslimische Zeit als Dschahiliya bezeichnet wird. Der Autor sieht – wie der IS – darin die Aufforderung alles nicht islamischen Dinge zu vernichten.

Die Schlussfolgerung, die der Verfasser weiter zieht ist, ist aber ebenfalls interessant. Er schreibt: „Ob „radikal“ oder „moderat“, jeder gläubige Muslim teilt das Grundbekenntnis“, gemeint ist die Schahada. Den Anspruch – der jeder anderen Religion ja völlig fremd ist – eine neue Weltsicht zu schaffen, die besser sein soll als die anderen, ist natürlich mit Bezug auf den Islam verwerflich. Denn „diese moralische Überheblichkeit ist eine der Voraussetzungen“ für die jetzige Tragödie in der arabischen Welt. Nun ignorieren wir einmal, dass Regime, die von Westen und Osten und deren Verbündeten in der Region gestützt wurden, nicht ganz unschuldig an der Misere sind, dass internationale Mächte ihr eigenes Süppchen mit dem Blut der Menschen, die in der Region leben, kochen…

Folgen wir stattdessen dem Diskurs des Kommentators, müssen wir annehmen, der Verfasser des Kommentars ist der Überzeugung „jeder gläubige Muslim“ sei verpflichtet, alle nicht islamischen Erscheinugen auf Erden zu vernichten. Er teilt ja das genannte Glaubensbekenntnis und das, was es impliziert. Was soll man mit solchen Menschen tun,  Herr Textchef?

Lassen wir einmal beiseite, dass der werte Autor wieder einmal ignoriert, dass die Mehrzahl der Muslime und Musliminnen außerhalb der arabischen Welt lebt (auch außerhalb des von Boko Haram kontrollierten Gebietes). Lassen wir auch einmal beiseite, dass von einem europäischen Journalisten mehr als eine billige Pseudo-Theologie zu erwarten wäre.

Was wir nicht beiseite lassen können, dass der Textchef der Basler Zeitung einen Dankesbrief des IS erwarten kann. Denn, was er als Islam verkauft, ist genau die Version des IS. Dass sich beide Seiten gegen Muslime und Musliminnen wenden, ist ja eigentlich nicht verwunderlich. Gegensätze ziehen sich ja an.

Was den Kommentar noch aparter macht, ist der Schlussparagraph, in dem sich die Aufforderung findet, Europa solle sich: „von seinen pazifistischen Illusionen und Wehleidigkeiten befreien und zu einem robusten Realismus zurückkehren“. Zieht die Schweiz in den Krieg? Oder ist nur ein älterer weisser Herr, der selber nicht mehr in den Krieg ziehen wird, aus seiner Redaktionsstube heraus gewillt, junge Männer und Frauen in den Tod zu schicken?

Dass es gegen IS & Co. auf vielerlei Ebenen zu handeln gilt u.a. auch mit religiös fundierter Kritik, ist unbestritten und geschieht weltweit (auch wenn man in Basel Augen und Ohren verschließt). Dass funktioniert aber sicher nicht, wenn man nur das Spiegelbild des IS gibt.

Vor solchen Qualitäts-Standards kann man nur den Hut ziehen!

Das Unbehagen


In mehreren Artikeln wurde vor einiger Zeit in der Tageszeitung „Der Standard“ dem Unbehagen am ‚Dialog der Kulturen‘ Ausdruck gegeben. Ein kurzer Kommentar scheint angebracht: