Ignaz Goldziher


Ignaz Goldziher (gest. 1921) war einer der Begründer der modernen Islamwissenschaft. Er hat der Ungarischen Akademie der Wissenschaften eine Sammlung von über 13.000 Briefen hinterlassen. Diese Korrespondenz erlaubt einzigartige Einblicke in die Wissenschaftskommunikation seiner Zeit:

https://konyvtar.mta.hu/index_en.php?name=v_3_2_1_goldziher

keine erfreuliche Diagnose


„We are living in the time of subjectivation of civil wars. We did not leave the period of triumph of the market, automation of governmentality, and depoliticization of economy of debt to go back to the era of ‚world pictures‘ and the conflicts between them. We have entered a time of constructing new war machines.“ (Alliez/Lazzarato,. Wars and Capital, semiotext(e), 2018, S.11)

Höhere Mathematik


Aus einer Qualitätszeitung erfahren wir folgende Politikerweisheit:

„Es gibt große Probleme bei der Integration der afghanischen Community in Österreich. 56 Prozent der afghanischen Jugendlichen in Österreich befürworten etwa Gewalt, wenn die Religion beleidigt wird. Wir sind daher gegen eine zusätzliche Aufnahme von Afghanen.“ (Der Standard online 22.08.2021)

Verwiesen wird auf eine Studie – wie sie ja gerne als Stichwortreservoir produziert werden – mit einem Link, der nicht funktioniert. Man geneigt sein, dass das Verlinkungsproblem Absicht ist, wenn man in besagte Studie hineinschaut.

Dort finden wir also 707 Befragte, von denen 100 sicher aus Afghanistan kommen, von denen wiederum 56 Personen sehr oder ziemlich der Aussage zustimmen: Wenn die Religion beleidigt wird, darf man durchaus
zuschlagen (S. 90 der Studie; die Aufgabe für die Lesenden ist, die Studie zu finden, weshalb sie hier nicht zitiert wird). Das mathematische Hochseil führt dann dorthin wo Personen in Wien sich in Prozent in ganz Österreich wandeln. Dagegen sind andere Wandlungen eine leichte Übung.

Und welche Aussage fällt noch unter den Tisch? Es sind „drei Viertel der jungen Afghan/innen davon überzeugt,
dass Gewalt grundsätzlich nichts bringt“ (S.59 der Studie)… Hmmm… Wie korreliere ich das? Und warum stellt sich eine Qualitätszeitung nicht solche Fragen?

Ach! Denken?


Wir dürfen in den Medien – so ist die Tageskonjunktur – wieder mehr lesen und hören, dass die afghanischen Taliban „radikalislamisch“ sind. Haben die Journalist*innen einmal darüber nachgedacht, was sie schreiben? Die Vermutung llegt sich nahe, dass dem nicht so ist. Denn was ist „radikal“ und dazu noch „islamisch“. Nur die Taliban. Vielleicht die Bewahrung kulturellen Erbes und nicht die Zerstörung der Buddhas von Bamiyan? Oder die Bewahrung der Manuskripte der Bibliotheken von Timbuktu. Oder human zu handeln statt Krieg zu führen. Oder Kalligraphie zu üben statt Kunstwerke zu zerstören. Schöne Gewänder zu designen? Im Labor zu arbeiten? Oder Platten zu legen. Ein guter Vater zu sein (der Schreiber dieser Zeilen ist männlich). Für andere einzutreten? Oder nachzudenken, bevor ich etwas schreibe, was eher eine Worthülse ist… (gilt übrigens auch für nichtmuslimische Journalist*innen).

Es ist natürlich schwer zu merken, dass mit solchen Worthülsen dem Anspruch derjenigen nachgegeben wird, die behaupten ‚der Islam‘ zu sein. Ah! Das heißt ja Denken.