und da ist es wieder


Manche mögen Orientalismuskritik für überflüssig halten. Dann füllt aber so etwas den Bildschirm:

„Die militanten Islamisten sind auch Todfeinde der machthabenden Taliban, obwohl beide Gruppen sich aus Sunniten rekrutieren und sich ideologisch nahestehen.“ (APA, in Der Standard 18. Juni 2022)

Also: 1) ihr wisst nicht, was ‚Islamisten‘ heißen soll, 2) wenn ‚wir‘ es nicht geschafft haben, die Taliban zu vernichten, gestehen ‚wir‘ höchstens zu, dass sie die Macht haben – wohl zufällig am Wege gefunden, das sich in die Tasche lügen geht weiter -, 3) die Taliban und der IS ‚rekrutieren‘ sich aus ‚Sunniten‘: Warum und was soll das heißen, sind ‚die Sunniten‘ so homogen, dass beide Gruppen eigentlich homogen sind und zusammengehören und damit eigentlich ‚die Sunniten‘ per se verdächtig sind, sich von solchen ‚Gruppen‘ rekrutieren zu lassen, 4) ‚ideologisch‘ stehen sie sich nahe (s. vorheriger Punkt) und wir wissen auch nichts über die Theologie der Gewalt der Taliban oder des IS-Khorasan, irgendetwas hat es halt mit Gewalt zu tun, das reicht; das beide Seiten sich bis aufs Blut bekämpfen, weil sie ganz andere Theologie haben (Ziel Islamisches Emirat Afghanistan vs. Islamischer Staat = Kalifat), interessiert uns als Agentur nicht. Wir haben Jahrzehnte uns Jahrzehnte nicht ernsthaft für Afghanistan interessiert, warum jetzt anfangen?