Journalismuskritik


Die Qualitätszeitung „Der Standard“ hat mir am 12.11. ein neues Wort beschert. Dabei ist noch gar nicht Weihnachten oder so. Vielleicht gibt es dieses Wörtchen schon länger, und es ist nur an mir vorübergegangen. Das Wörtchen lautet „Flüchtlingskritik“. Nun haben die Medien uns schon länger gewöhnt, dass der ordinäre antimuslimische Rassismus zur „Islamkritik“ geadelt wird.

Aber „Flüchtlingskritik“!? Ist das die Kritik von Flüchtlingen? Nein, es ist die Kritik an Flüchtlingen.

Gemeint ist eine Geschichte, die etwas an eine Posse erinnert. In der Steiermark war die Verteilung von Äpfeln – für die, die es nicht wissen, die Steiermark ist für ihre Äpfel bekannt – an Flüchtlinge gestoppt. Warum? Lebensmittelpolizeilich wurde vermutet, dass die Verteilung von ungewaschenem Obst negative Folgen haben könnte. Als geklärt war, dass das unbedenklich war, wurde die Verteilung fortgesetzt.

In manchen Zeitungen und insbesondere in den in diesem Falle höchst (un-)sozialen Medien wurde sofort gemutmaßt, die Äpfel seien „nicht gut genug“ für Flüchtlinge, die Flüchtlinge hätten die Äpfel abgelehnt etc. pp. In den Postings erbrach sich dann wieder das Vorurteil in breiten Strömen.Etwa so als ob die kritische Theorie die Affirmation des Nazismus beinhaltet.

Dies als „Flüchtlingskritik“ zu betiteln, ist schon ein Auswuchs an sprachlicher Bewusstlosigkeit, der selbst in den Medien schon bemerkenswert ist.

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