verdorbene Frucht


Regelmäßig werden ja wilde Thesen zur islamischen Frühzeit in die trüben Gewässer des Internet – in der Hoffnung, dass das Platschen Aufmerksamkeit erregt.

Diesmal ist es die Universität Birmingham und die Bibliothek dort:

Carbon dating suggests ‚world’s oldest‘ Koran…

Nun, lassen wir einmal den Schmäh mit dem „der Welt ältesten Koran“ beiseite: Die C-14-Datierung ergibt eine Spanne von 568-645 chr. Z., am einen Ende ganz gut passend zur gängigen Chronologie, am anderen Ende nicht. So what, es könnte sein… Es könnte auch sein, dass ich das Rad erfunden habe. Die Herrschaften in Birmingham scheinen noch nie etwas von der Notwendigkeit paläographischer Untersuchungen zur Bestätigung gehört zu haben… Aber „some historians“ sagen ja, dass das stimmt und revolutionär sei; „some historians“ gibt es auch, die das komplette Mittelalter für eine Erfindung halten… Dass Birmingham noch nicht einmal die Tinte untersucht hat, nur das Pergament, erschüttert die Gewissheit nicht… Dass man auch einmal die vorislamische Kultur Südarabiens berücksichtigen könnte und damit andere Daten für die Literaturgeschichte der Arabischen Halbinsel bekommt, ach, was schreib‘ ich…

Es gibt zwei Möglichkeiten: Universität Birmingham braucht so dringend Geld, dass sie alles dafür tun, in die Medien zu kommen. Oder: Der Autor des Berichts hat einfach wild etwas fabriziert, da ja alle Ingredienzien vorhanden sind: a) Muslime wissen einfach nicht, was sie so glauben, b) die europoäischen Wissenschaftler zeigen ihnen, was eine Harke ist. Alles roh und undurchdacht.

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