Exklusive Unkenntnis…


Nun: Wir sind es ja gewöhnt, dass das Hirn zum Rauchen vor die Tür geschickt wird, wenn es um Terrorismus geht. Das österreichische Nachrichtenmagazin „profil“ pflegt diese Übung offensichtlich auch.Wir erfahren „exklusiv“, dass der österreichische Dschihadi M. M. gewissermaßen der Mastermind der Medienstrategie des IS ist. Man habe Einsicht in einen Konvolut von Notizen von M. M., in dem er diese Strategie vorgedacht habe. Die wesentliche Erkenntnis ist, dass M. M. auf das Internet und popkht ulturelle Elemente gesetzt habe.   Nun: Es ist ja eigentlich nicht sehr verwunderlich, dass jemand, der zu mehreren Jahren Gefängnis insbesondere wegen Online-Propaganda verurteilt worden ist, das Internet für ein geeignetes Instrument hält…. Dass dies nicht seine originäre Idee war, ließe sich ja auch daran ablesen, dass er bei den gerichtlich sanktionierten Internetaktivitäten unter dem Firmenrahmen „Globale islamische Medienfront“ aufgetreten ist, ein internationales al-Qa’ida-Medienoutlet. Die Innovation war es, dies in deutscher Sprache zu tun. Dass bereits der wirklich einflussreiche Dschihadtheoretiker Abu Mus’ab al-Suri in seinem vor M. M.s Aktivitäten ein Konzept von Medienbrigaden entwickelte (zwar in arabischer Sprache, aber in englischsprachigen Veröffentlichungen finden sich einschlägige Informationen) – nur leider in arabischer Sprache -, ist seit langer Zeit bekannt. Dass bereits vor M. M. die dschihadistische Subkultur integrierte, ist so neu wie die Nachricht, dass die Erde einen Mond hat. Dass die Vorläuferorganisation des IS, Dass die Vorläuferorganisation des IS, die 2007 ihre Ausrufung eines Islamischen Staates bekannt gab, bereits sehr effekive Internetarbeit – anknüpfend u.a. an die Vorschläge al-Suris – hätte man (und das in deutscher Sprache!)  hatte, könnte man natürlich in einem im letzten Jahr erschienenen Buch von Christoph Günther entnehmen. Aber, das wäre ja nicht mehr „exklusiv“.Dass M. M. ein führender deutschsprachiger Dschihadist – vielleicht auch ‚der führende‘ – ist unbestritten. Zum Nachrichtenmagazin „profil“ nicht vorgedrungen ist, dass die dschihadistische Subkultur in etlichen Sprachen solche Mittlerfiguren hat. Denken wir nur an Adam Gadahn, um wieder zu al-Qa’ida zurückzukehren, aber auch französisch-, russissch-, türkischsprachige usw. usf. gab es und gibt es. Dass M. M. eine nicht unwichtige Rolle in der deuschsprachigen Propaganda des IS spielt, bleibt unbestritten, dass „der Medienarm“ des IS (insgesamt?) M. M. „unterstellt“ sei, an dessen Aufbau er „mit(!)gearbeitet“ habe, wird nicht weiter erläutert. Vielleicht hätte das geneigte Publikum des „profil“ gerne etwas über M.M.s arabischsprachige Publikationen für den IS erfahren hätte und deren Einschätzung – ach ja, die sind in arabischer Sprache (blöd auch).Nun: Lokalpatriotismus und Sucht nach Exklusivität führen eben nicht zu guter Berichterstattung. Und vielleicht könnte irgendjemand einmal bedenken, was solche unbezahlte Werbung bewirkt….

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