Denkverbot und Ressentiment


Als Ressentiment wird häufig als ein negatives Gefühl beschrieben, das „Schleichwege und Hintertüren“ liebt, um an Nietzsche anzuknüpfen. In einem Interview in der österreichischen Zeitschrift „profil“ äußert sich der Vertreter eines österreichischen Jugenorganisation:

„Wissen Sie, wie arg sich das anhört, wenn Leute aus der ersten Einwanderergeneration, die in Deutschland auf die Uni gegangen sind uns etwas über den österreichischen Islam erzählen? Ich frage dann, wo warst du, als ich auf meinem ersten Attwenger Konzert war? Wo warst du, als ich den Schikurs gemacht habe? Was erzählst du mir vom Elfenbeinturm herunter, wie es ist, hier Muslim zu sein?“

Als Deutscher in Österreich wird man schon einmal hellhörig, wenn jemand mit dem zweifelhaften Argument verboten wird, dass er in Deutschland (!) auf die Universität gegangen und deswegen unqualifiziert sei, sich über österreichische Dinge zu äußern. Wenn es so dazu kommt, dass eine Ihr-Gruppe aus all denen konstruiert wird, die halt nicht einer originär österreichischen Gruppe wie Attwenger gelauscht haben und nicht den Initiationsritus des Schikurses durchlaufen haben – zumindest aus Altersgründen -, wird doch deutlich eine Diskriminierung und Stigmatisierung aufgrund des Außenseitertums qua Ausländerseins aufgebaut. „Wir“ sind dann diejenigen, die all diese Erfahrungen haben und als einzige legitim über – in diesem Fall – österreichischen Islam sprechen. Das ist dann wohl eine gute Ausgrenzung. Jeder, der nicht diese Qualifikationen hat, sollte sich wohl zurecht unwohl fühlen.
Dies ist keine Überreaktion, denn beinahe jede/r Deutsche in Österrreich kann von Erfahrungen des antideutsch gestimmten Ressentiments berichten. Und dass dürfte der Sprecher auch wissen können.
Wenn dann noch dazu kommt, dass das Anderssein durch die Tätigkeit im „Elfenbeinturm“ verstärkt erscheint, dann sind wir schon mitten in einem anderen Ressentiment, nämlich dem des Antiintellektualismus.
Also ein interessantes Denk- und Äußerungsverbot für alle, die in irgendeiner Weise eine deutsche Herkunft haben und es wagen, über österreichischen Islam zu sagen… Ist das ein „europäischer Fokus“?

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