Altlinke und Muslime


Manchmal erinnert man sich an Schulzeiten. Mit kommt gerade in den Sinn, dass die ersten vom mythischen „68“ beeinflussten Lehrer eigentlich nicht zu den guten zählten… 68er zu sein, kann angesichts der Entwicklung der Personen, die dies für sich reklamieren, kaum als Wert an sich gelten. Dass zudem die „Altlinken“ in Deutschland solche tollen Menscheitsbeglücker gewesen seien, kann man nur als Verklärung der Jugendzeit verstehen. Insofern keine neue Erscheinung, nur im Medienbetrieb scheinen diese Label immer noch etwas zu gelten.
Reinhard Mohr hat sich offensichtlich auf 192 Seiten ergossen. Und „Die Presse“ hat daraus Auszüge gebracht. Und der Herr Altlinke produziert das übliche Programm, das Altrechte viel besser können: Political Correctness, Sozialhilfebetrug, Paschatum, keine Aufklärung im Islam, Parallelgesellschaft, Nazismuskeule, mangelndes Bekenntnis zu den eigenen Werten, Abhängen von Kreuzen (komisch, dass es es jemand stört, der einige Spalten vorher sagt, er und seinesgleichen hätten nichts mit Religion am Hut gehabt) und eine Sprachwissenschaftlerin zitiert mit „Prof. Dr.“ davor als Signal, dass Herr Mohr auch Intellektuellen- und Wissenschaftsfeindlichkeit im Programm hat. Und dann wird die Bildung aus dem Fenster gehängt, Mathias Claudius wird zitiert und die Sprachverluderung beklagt (mit ironisch sei sollenden Beispielen, die eher an Altherrenwitze erinnern; der altlinke Stammtisch klopft sich auf die Schenkel). Einzelfälle werden gereiht. Eine durchdachte kritische Reflexion ist an keiner Stelle auch nur angedeutet. Der Vorwurf der Islamophobie (auch wenn ich selber den Begriff nicht tragfähig finde) ist natürlich ein schreckliches Ding, ein Journalist wird als Kronzeuge (und Alt-68er) zitiert, besonders wohl weil ihn bei „Angriffen auf Islamkritiker“ die Wut packt. Die Selbstimmunisierung lässt grüßen.
Dass hier die reine Fantasieproduktion am Werke ist, zeigt diese Passage besonders schön:

„‚Masch isch dsich Füllung, Alder!‘ hätte eine imaginäre Zahnarzthelferin mit Kopftuch zum Patienten sagen können, den der Backenzahn schmerzt.“ Wir sehen Herrn Mohr zitternd auf dem Zahnarztstuhl sitzen, den Mund aufgesperrt. Und wenn gar die Zahnärztin auch noch gar Kopftuch trägt?

Kurzum, das Elaborat eines älter werdenden weißen Mannes, der seine okzidentale Almacht gefährdet sieht und will, dass alles so ist – wie es früher war. Früher da waren die AusländerInnen noch an ihrem Platz, (Kopftuch-)Frauen haben höchstens geputzt und in der Morgen- oder Abenddämmerung unterwegs, haben sich ansonsten nur in ihren peripheren Straßen und Vierteln bewegt. Vielleicht sollte man sie wieder dorthin verbannen? Dann könnte Herr Mohr es sich in seiner altlinken Parallelgesellschaft bequem machen.
Die Probleme europäischer Gesellschaften kann man sich sicherlich in kritischer und reflexiver Weise eher lösen als mit solcher Grenzverteidigungsprosa.

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