Crash der Logik


Der Kommunikationschef der Erzdiözese Wien und ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ hat wieder einmal seine Kolumne mit dem Titel „Culture Clash“ produziert (Die Presse 25.09.2011, S.47). „Es muß ja Ärgernis kommen“ (Ich weiß, es ist nicht die katholische Version, aber es musste einfach sein).
Er stellt fest: „Man soll natürlich nicht kleinreden, dass es tatsächlich für Vorstellungen wie die Gleichwertigkeit der Frau oder die Religionsfreiheit eng werden könnte, wenn es von heute auf morgen eine muslimische Mehrheit im Lande gäbe.“ Dann folgt – immerhin – der Hinweis, dass Projektion des demographischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bis 2051 von nicht mehr als 14-18 Prozent MuslimInnen in Österreich ausgehen.
Warum der erste Satz? Sehen wir vom Konjunktiv ab, sehen wir auch von der hübschen Formulierung „Gleichwertigkeit der Frau“ ab, nicht Gleichberechtigung… Der antimuslimische Diskurs ist einfach zu stark. Es musste einfach der Gedanke heraus, dass eine muslimische Mehrheit zwangsläufig den Status von Frauen bedroht und auch die Religionsfreiheit. Es kann gar nicht anders sein. Das weiß man einfach tief im Inneren. Ohne irgendetwas zu wissen… Solche Sätze sind doch eine Festmahl für Diskursanalytiker!
Zugleich weiß man, dass es nicht stimmt. Zumindest soweit wir seriöse demographische Projektionen haben, die dem werten Schreiber präsent sind. Es gibt keinen Anhaltspunkt für das erste Szenario. Trotzdem müssen wir das Schreckbild beschören, dürfen es nicht „kleinreden“. Die Frage schleicht sich an: Ist es wirklich nur der Diskurs der spricht? Oder ist es eine Kommunikationsstrategie des Kommunikationschefs, um eine eigene Klientel zu bedienen, die solche Schreckensszenarien sich genüsslich ausmalt? Oder ist einfach die Logik vor dem Erreichen der Kolumne in einen Unfall mit Totalschaden verwickelt worden?
Fragen? Fragen? Und keine Antworten. Oder doch?

Advertisements