Hausgemachter Terrorismus


Eigentlich sollten die Ereignisse doch einige Leute dazu bringen, beschämt zu schweigen. Michael Fleischhacker, seines Zeichens Chefredakteur der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ hat u.a. am 15.09.2007 (andere Beispiele ließen sich mehr als genug finden) nicht umhin können zu kommentieren. Unter dem Titel „Das Problem ist der Islam“ findet er u.a. „Menschen, die einfach nicht in der Lage sind, auf Distanz zu Terroristen zu gehen, die dieses Buch für ihre Zwecke missbrauchen“. Die wunderbar pauschale Verurteilung aller MuslimInnen weltweit erhebt ihr Haupt, hervorgekitzelt von jemanden, der sich wirklich auskennt. Der Schluss des Kommentars ist denn bezeichnend mit seiner Betonung des ‚Kampfes der Kulturen‘: „Der findet nämlich längst statt, weltweit, zwischen Gesellschaften, die Religion und Politik trennen, und solchen, die das nicht tun. Wer das nicht sieht, hat schon verloren.“
Und jetzt, nach Oslo und Utoya, als jemand das ‚gesehen hat‘, was viele der ehrbaren ‚Islamkritiker‘ sehen, und danach gehandelt hat, kommentiert Herr Fleischhacker wieder (Die Presse 25.07.2011): „Man muss einfach zur Tagesordnung übergehen“. Er proklamiert man müsse nicht „die Quellen für die wirren Fantasien eines Psychopathen“ suchen. Man könnte vielleicht ja zu viele der ehrbaren Menschen finden, „die in der wirlichen Welt ein ehrbares Leben führen“. Vielleicht auch Journalisten? Es wundert nicht, dass diejenigen, die das Klima bereiten, in dem Attentäter nun ja keine Brandstifter gewesen sein wollen: „Menschen, die mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die Zuwanderung und kulturelle Entgrenzung mit sich bringen, nicht zurecht kommen, als Terror-Brandstifter zu denunzieren, wird das Problem nicht lösen. Man kann nur zur Tagesordnung übergehen.“
Man braucht wohl keine tiefschürfende Analyse, um hier jemanden zu sehen, der kräftig an der eigenen Selbstentschuldung arbeitet. Stellen wir uns einmal vor, es wäre der Attentäter ein sich islamisch legitimierender Terrorist gewesen: Was wäre dann die Reaktion des Herrn Fleischhacker und seine Worte zu ‚dem Islam‘ allgemein? Verständnis? Gehen wir zur Tagesordung über?
Es kann jetzt niemand mehr behaupten, er/sie habe nicht gewusst, wohin die innergesellschaftliche Feinderkärung führen kann: zu dieser Art homegrown terrorist aus der Mitte einer europäischen Gesellschaft.
Oder mit den Worten aus einem Interview aus dem Konkurrenzblatt der „Presse“:
Es geht gegen Muslime und Migranten. Das schafft ein Milieu, und in diesem Milieu gibt es labile Täter, die dann zuschlagen. Man wird erkennen müssen, dass das Klima des Zusammenlebens versaut werden kann und dass damit Gefahren heraufbeschwört werden können. Wenn alle Fakten bekannt sind, wird man erschrocken darüber sein, was Sprüche über andere – falsch beschreibende, verurteilende, herabsetzende – auslösen können. Sie können zu einer kompakten Weltanschauung werden.“ (derstandard.at 24.07.2011)
Manchmal hoffe ich immer noch, dass gewisse Leute wenigstens im stillen Kämmerlein schamrot werden.
Und noch ein kluger Artikel dazu:
Das Massaker als ideologisches Fanal

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