Dass man sich immer ärgern muss…


Die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ hat unlängst einen langen Kommentar veröffentlicht, in dem über die europäischen Werte und ihre Gefährdung raisonniert wurde. Als Kontrastfolie musste – inzwischen wohl automatisch – wieder einmal „der Islam“ herhalten. Eine Reaktion meinerseits darauf wurde noch als Leserbrief abgedruckt. Die Reaktion war ein ziemlich untergriffiger Leserbrief des Kommentators. Die Reaktion darauf wurde nicht mehr abgedruckt. Deshalb sei sie hier öffentlich nachgereicht:

„Herr Dr. Schulmeister kennt einige Namen; das ist sicherlich erfreulich für ihn. Nun denn: Dass ein Leserbrief sich auf wenige Punkte beschränken muss, ist natürlich eine unerfreuliche Beschränkung. Daraus zu schließen, dass etwas nicht bemerkt wurde, ist eine rhetorische Scheidemünze.
Interessant am Kommentar von Herrn Dr. Schulmeister ist, dass seine postulierte Wertematrix offenkundig eines Feindbildes in Form des Islams bedarf. Dieses Bild kann natürlich leicht gezeichnet werden, wenn man sich mit Banalitäten in Form von Quellenkenntnis nicht befasst, Dinge, mit denen man es sich “zu leicht” macht. Macht es sich aber Herr Dr. Schulmeister nicht auch etwas “zu leicht”, wenn er schon vor dem direkten Zitat aus der Regensburger Rede (12. September 2006) des Papstes kaum paraphrasiert aus eben dieser abschreibt, ohne dies der geneigten Leserschaft mitzuteilen? Das hätte wohl den Eindruck verdorben, Herr Dr. Schulmeister kenne sich in islamischer Ideengeschichte aus.
Ein kleine “Banalität” sei erlaubt: Ibn Hazm (994-1064) war sicherlich ein hervorragender Literat, sein “Halsband der Taube” ist ein sehr lesenswertes Werk der Weltliteratur. Ibn Hazm war auch Vertreter einer mikroskopisch kleinen Strömung der Schariagelehrsamkeit, die durch die muslimische Geschichte hindurch wenig Resonanz gefunden hat. Der Erforschung dieses einen Gelehrten hat Roger Arnaldez sein wissenschaftliches Werk gewidmet. Aus der Meinung eines solch marginalen Gelehrten, die Gottesauffassung “des Islams” zu konstruieren, zeugt davon, dass man Dr. Schulmeister an die “Banalität” erinnern muss, dass man wissen sollte, worüber man schreibt. Aber er braucht halt dringend den “Willkürgott” als Negativfolie, da entledigt sich die Vernunft mit leichter Hand des Wissens – schließlich kann man Namen aufbieten (wenn es nicht reicht, gibt es “viele andere”, die nicht genannt werden). Es reicht auch dann nicht, wenn Rom das letzte Wort hat.
Es mag verführerisch sein, die absolute Superiorität Europas wenigstens im Wertehimmel behaupten zu wollen Mir scheint es sinnvoller, zu einem real weltoffenen Europa beizutragen, das keiner Feindbilder und Abgrenzungen bedarf. “

Sorry, auch das musste ich einmal loswerden 😉

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