Islamwissenschaft – einige Gedanken


Das universitäre Fach Islamwissenschaft hat eine wechselhafte Geschichte – weltweit und im deutschsprachigen Raum. Zum wissenschaftlichen Geschäft sollte auch die Selbstreflexion. Die folgenden Zeilen sind das – vorläufige – Ergebnis der Reflexion im Rahmen der Islamwissenschaft an der Universität Wien:

Islamwissenschaft

Das Masterstudium der Islamwissenschaft an der Universität Wien ist ein religionswissenschaftliches Studium mit kulturwissenschaftlichen und philologischen Anteilen. Der Gegenstand des Studiums sind nicht „der Islam“ als Studienobjekt oder religiös orientierte Studien; die Frage nach religiöser Wahrheit kann im Rahmen der Islamwissenschaft nicht gestellt werden.
Es werden methodische Ansätze aus der religions- und kulturwissenschaftlichen Forschung integriert. Dabei wird Wert darauf gelegt, das islamische religiöse Feld als ein spezifisches Untersuchungsfeld zu konstituieren, ohne zu vergessen, dass dieses Feld im Zusammenhang mit anderen nicht religiösen Feldern zu betrachten ist.
Ziel des Studiums ist die Befähigung zur Analyse islamischer Ideen, Diskurse und Praktiken mit einem Fokus auf moderne Entwicklungen. Ein Hintergrund zu älteren islamischen Ideen, Diskursen und Praktiken wird vermittelt. Diese Ideen, Diskurse und Praktiken werden in ihren Kontexten betrachtet.
Es geht um ein Verständnis, Nachvollziehen, teilnehmendes Beobachten und eventuelle Partizipation an diesen Diskursen auf einer gleichberechtigten Basis, die ein reines Reden über den Islam ausschließt. Es geht um die Entwicklung einer Forschungspraxis, die muslimische Ideen, Diskurse und Praktiken einschließt und nicht zum bloßem Objekt macht.
Ausgangspunkt der Analysen sind im wesentlichen textuelle Quellen; empirische Elemente werden nach Möglichkeit integriert. Eine systematische Einbeziehung der Erforschung elektronischer Ressourcen (insbesondere der Medien des Internet) erfolgt im Rahmen des Studiums.
Themen, die behandelt werden sind Koranauslegung, Theologie, bio- und wirtschaftsethische Diskurse im rechtlichen Rahmen, zeitgenössische islamische Diskussionen u.a.m.
Über den arabischsprachigen Raum hinaus erstreckt sich der Rahmen des Studiums bis nach Südasien, Südostasien und insbesondere Europa; transnationale Dimensionen werden berücksichtigt. Mit diesen Regionen beschäftigen sich auch eigenständige Lehrveranstaltungen. Systematisch werden zwölferschiitische Diskurse einbezogen.
Zugleich werden im Rahmen des Studiums kritische Sichtweisen zu okzidentalistischen Positionen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft entwickelt. Islamwissenschaft hat in dieser Hinsicht eine kritische Funktion, da sie auf der Einbeziehung anderer als rein okzidentaler Diskurse besteht.

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