Akademiker und Akademiker


Der Wiener Akademikerbund, eine (wohl inzwischen ehemalige?) Vorfeldorganisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), hat ein Papier verfasst und u.a. an den österreichischen Vizekanzler Pröll zur Kommentierung verschickt. Soweit nicht bemerkenswert. Der Inhalt ist aber doch bemerkenswert: Gefordert wird eine „generelle Beendigung der Einwanderung“, Personen mit „nachweisbarem Asylanspruch“ dürfen noch herein (wer wird das aber nachweisen können?), die weitgehende „Rückgabe von derzeitigen EU-Kompetenzen an die nationalstaatlichen Souveränitäten“, eine „fundamentale Korrektur“ der Fristenregelung, das Gleichbehandlungsgesetz (gegen Benachteiligung von Frauen) müsse „ersatzlos gestrichen werden“, eine „Entzauberung der Justiz“ wird gefordert und auch für das Gesetz zum Verbot nationalsozialistischer Wiederbetätigung müsse eine „ersatzlos Aufhebung“ her. Ein Konglomerat aus Ani-Einwanderungs-Propaganda, Anti-EU-Propaganda, Anti-Abtreibungs-Propaganda, Anti-Emanzipations-Propaganda, die rechtstaatliche Kontrolle durch die Justiz wird angegriffen und einer als Befürwortung der freien Rede getarnten Freigabe nazistischer Propaganda. Ein Gemisch, dass bisher eher nicht aus dem Umfeld einer konservativen Partei gekommen wäre, weiter rechts liegende Regionen wären eigentlich das natürliche Biotop solcher Ideen.
Die Aufregung ist groß; die Wiener Organisation wird aus dem gesamtösterreichischen Akademikerbund geworfen; zwei Vorstandsmitglieder, u.a. Christian Zeitz, aus der ÖVP ausgeschlossen.
Etwas fehlt noch. Und der Name Christian Zeitz gibt den Hinweis: Anti-muslimische Propaganda. Wie bereits in diesem Blog erähnt, wurde Herrn Zeitz in der „Qualitätszeitung“ (so die Eigenwerbung) ‚Der Standard‘ sehr viel Raum gegeben, um seine antimuslimischen Ergüsse aufs Papier zu bringen. Dass der Wiener Akademikerbund dann auch noch ein Forderungskatalog mit Sonderbehandlungen für Muslimen aufstellt, basierend auf seiner profunden Kenntnis der dauerhaften „Bestandteile des Glaubensgutes gläubiger Moslems“, verwundert schon gar nicht mehr. Verwunderlich ist aber, dass eine öffentliche Reaktion darauf ausgeblieben ist. Dass in der aktuellen Krise dem Akademikerbund nichts besseres einfällt, als ihre Verteidigung mit einem Angriff auf den Wiener SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich zu garnieren.
Man mag geneigt sein, dass ganze als Posse abzutun. Es zeigt sich aber eines: antimuslimische Positionen führen recht schnell zur Ablehnung der Gleichbehandlung von Frauen, Großzügigkeit gegenüber Nazis etc. pp. Es handelt sich um kein Kavaliersdelikt.

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