Lesefrucht


Nicht von der Himmelspiratenbande sondern von Benoit Malon anlässlich der Niederschlagung der Pariser Kommune:

„Seit vierzig Jahren haben die Regierenden den französischen Soldaten die nötige Brutalität für die „Wiederherstellung der Ordnung“ beigebracht, wie die Henker der Völker es nennen. Indem sie die schöne und unglückselige arabische Rasse der empörendsten und schändlichsten Vernichtung ausgesetzt haben. Soldaten, die in Algerien jahrelang Dörfer niedergebrannt und Stämme massakriert haben, sind auch dazu fähig, in den Straßen unserer Städte ein Blutbad anzurichten. Alle Generäle der Versailler sind durch diese Schule gegangen,“

(Kristin Ross, Luxus für alle: Die politische Gedankenwelt der Pariser Kommune, Berlin: Mathes & Seitz, 2021, S.47)

Sehen wir ihm die zeitbedingte Terminologie einmal nach, ist damit ein Zusammenhang benannt, der nicht abzuleugnen ist.

Lesefrucht


Manche propagieren den „Politischen Islam“ als Schlüssel zum Erkenntnis der Welt, andere machen sich an die empirische Arbeit. Letzteres ist halt etwas anstrengender als wohlfeile Studien erstellen. Eine der ausführlichsten Forschungen zum Paradebeispiel des „Politischen Islams“ ist Carrie Rosefsky Wickham, The Muslim Brotherhood, basierend auf 2 Jahrzehnten Forschung. In dieser Zeit ließe sich manche Studie produzieren. Aber lesen wir:

„In addition, by interacting with certain Brotherhood leaders over many years, I have watched them mature, both in chronological and evolutionary sense, with my own eyes. Like all of us, in som respect they are the same as they were twenty years ago, and in other ways the are not. More broadly, such interactions have enabled me to see these leaders not as two-dimensional stand-ins for the organization they represent but as complex individuals with conficting motivations whose values and priorities have been shaped, and at times radically altered, by life experience. Through sustained discussions with Islamist leaders, I came to appreciate the importance of religious commitment as a motive for people to set aside daily concerns and pursue a higher cause but also to appreciate the fluidity and eleasticity of the particular objectives and purposes they saw themselves as religiously oblihated to fulfil. […] It hence impels us to be more humble in the claims we make and more skeptical of sweeping generalizations that derive more from a researcher’s pre-judgement than from a robust empirical investigation of the subject itself.“ (Wickham 2013, S.XI)

Demut und Skepsis eigenen Vorurteilen gegenüber? Nein! Dann produziere ich doch lieber als Expert*in weiter. Was scheren mich Evidenzen und Empirie?